Ein Trägerverein kümmert sich ehrenamtlich um die Umsetzung der Projekt-Idee: ein offener Raum als konsumfreier Begegnungs- und Wissensort, der von BürgerInnen kostenlos genutzt werden kann.
Die Sinnhaftigkeit des zivilgesellschaftliches Angebotes FreiRaumWels wird von allen politischen Parteien in Wels anerkannt.
Die Menschen der Stadt erhalten einen offenen Raum und es macht Spaß, in einer schönen Umgebung Neues zu erfahren oder eigene Projekte umzusetzen. Selbstverantwortung stärkt nachhaltig den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Eine Win-Win-Win Situation für BürgerInnen, Politik und Wirtschaft und ein zukunftsorientiertes Statement für eine bürgerInnenorientierte Demokratie.
Seit der FreiRaumWels im Jahr 2015 im Zuge der Innenstadtagenda21 von allen politischen Kräften des Welser Gemeinderates auf den Weg gebracht worden ist, konnte er sich profilieren und ist durch das Engagement der BürgerInnen zur wertvollen Marke geworden. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis ist unschlagbar günstig, da die Arbeit zur Gänze ehrenamtlich und ohne Einfluss der politischen Parteien passiert.
Unterschiedliche Auffassungen gibt es bei der Frage, ob die ursprüngliche Vereinbarung, den FreiRaum zur Gänze durch die Kommune zu finanzieren, weiterhin Gültigkeit besitzen soll. Im Jänner 2021 wurde diese Frage politisch entschieden und bei Stimmengleichheit verneint. SP, VP, Grüne und NEOS waren dafür und FP und MFG dagegen.
Geschichte
Im September 2020 kündigte Bürgermeister Dr. Andreas Rabl als Liegenschafts- und Finanzreferent aus Kostengründen den Mietvertrag am Standort Altstadt 8. Es wurden stadteigene Alternativräumlichkeiten angeboten, unter der Bedingung, dass der Trägerverein FreiRaumWels künftig für die Betriebskosten aufkomme. Es stand damit die Frage im Raum, ob das offene Raumangebot in der gewohnten Qualität weitergeführt werden kann.
NEOS, GRÜNE und SPÖ Wels verfassen mit dem Trägerverein FreiRaumWels im Herbst 2020 einen Dringlichkeitsantrag zum Erhalt des FreiRaumWels, der gegen Ende der Gemeinderatssitzung vom 19. Oktober 2020 ausführlich debattiert wird. Der Antrag wird mit den Stimmen von FP und ÖVP in den Ausschuss verwiesen und nie behandelt. Der ehrenamtliche Trägerverein entscheidet sich, bis zur Wahl im September 2021 die finanzielle Verantwortung zu übernehmen und unterzeichnet den Mietvertrag.
Bei einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung im August 2021 sprechen sich NutzerInnen und PolitikerInnen der Parteien SP, VP, GRÜNE und NEOS dafür aus, das Angebot am Standort Altstadt 8 zu erhalten. Die FP hatte aus Zeitgründen leider nicht an der Diskussion teilgenommen.
Im September 2021 finden die Lokalwahlen statt und die politischen Kräfteverhältnisse werden neu geordnet.
Im Jänner 2022 starten ÖVP, GRÜNE, SP und NEOS einen zweiten Anlauf und stellen im Welser Gemeinderat einen Initiativantrag auf Finanzierung des FreiRaums. Dieser wird mit 36 Wortmeldungen ausführlich debattiert. Es kommt zu einer Pattstellung mit Stimmengleichheit 18:18. FP und MFG stimmen dagegen und der Antrag findet damit keine Mehrheit.
Ein Fortbestand am Standort Altstadt 8 ist nicht demnach gelungen. Hier der Rückblick:
Zukunft FreiRaumWels
Am 1. Oktober 2020 treffen FreiRaumWels-NutzerInnen, Politik und Vorstand die die Entscheidung, sich für den Erhalt des FreiRaumWels am Standort Altstadt 8 zu engagieren. Vorstand und NutzerInnen starten die Kampagne „FreiRaumWels erhalten!“.
Pressekonferenz
Am 8. Oktober 2020 informiert der Verein FreiRaumWels die Öffentlichkeit über die aktuelle Situation und veranstaltet dazu eine Pressekonferenz:
„Zukunft FreiRaumWels: Altstadt 8 erhalten! Steht der FreiRaumWels vor einem unfreiwilligen Aus?“
Zivilgesellschaft steht auf
UnterstützerInnen des FreiRaumWels helfen dabei, das Thema öffentlich zu machen. Sie betonen die Erfolge und Potenziale des FreiRaumWels.
Der Trägerverein setzt große Hoffnungen in die Kraft der politischen Debatte.
Aktivismus
Mit selbst gebastelten Transparenten wird unmittelbar vor der Gemeinderatssitzung im Rahmen einer politischen Kundgebung auf die positiven Seiten des FreiRaumWels aufmerksam gemacht. Das Ziel ist: mit den Welser EntscheidungsträgerInnen ins Gespräch zu kommen.
Begegnung
FreiRaumWels-NutzerInnen sprechen kurz vor Sitzungsbeginn mit dem Bürgermeister und betonen die Qualitäten des Angebotes am Standort Altstadt 8.
Gemeinderatsdebatte
Laurien Scheinecker (SPÖ Wels):
„Es ist wichtig, dass engagierte BürgerInnen von der Politik gehört werden und dass sie den Respekt bekommen, den sie sich verdient haben. Es geht um ein Bekenntnis der Welser Politik, die gestartete Bürgerbeteiligung ernst zu nehmen.“
Gemeinderatsdebatte
Markus Wiesinger (ÖVP Wels):
„Die zukünftige Stadtregierung muss sich dem Thema FreiRaum besonders widmen, muss sich eine Frage stellen: Wollen Sie in der Zukunft aktive und selbstorganisierte Bürgerbeteiligung in Wels haben? Ja oder nein. Wir als ÖVP stehen dem offen und frei von politischer Vereinnahmung sehr positiv gegenüber.“
Gemeinderatsdebatte
Markus Hufnagl (NEOS Wels):
„Bürgerbeteiligungsprozesse und Bürgerinitiativen sollte man fordern und fördern und nicht mit einem Federstrich irgendwie das Ende einleiten. […| Jeder wird sich in Zukunft erinnern was da passiert ist und dann wird er sich dreimal überlegen, ob man etwas macht oder nichts macht.“
Gemeinderatsdebatte
Stadtrat Johnny Reindl-Schwaighofer (SPÖ Wels):
„Der FreiRaumWels ist ein tolles Ergebnis einer breiten Bürgerbeteiligung.“
„Der Umgang mit dem Freiraum ist ein Zeichen dafür, wie mit dem Bürgerwillen in der Stadt umgegangen wird.“
Gemeinderatsdebatte
Peter Csar (ÖVP Wels):
„Mir geht es um die Situation vom FreiRaum. Wie geht es mit dem FreiRaum weiter, was können wir tun? Mir geht es darum, ein kreatives Leben in Wels zu ermöglichen. Mir geht es darum, die Innenstadt zu beleben. Und mir gehts auch darum, dass die Jugendlichen einen Ort der Zusammenkunft haben. Abseits von Gastgewerbe und sonstigen Einrichtungen.“
Gemeinderatsdebatte
Stadtrat Peter Lehner (ÖVP Wels):
„Ich glaube es ist wichtig, gerade heute auch für den FreiRaum, dass wir kreativ sind und gemeinsam schauen, können wir in den nächsten Tagen und Wochen entsprechend Gelder auftreiben, um eines zu garantieren, dass ein FreiRaum in Wels möglich ist, unabhängig von politischen Entscheidungen, sondern so wie es sich gehört: nämlich bürgerorientiert und von Bürgern selbst getragen.“
Gemeinderatssitzung am 19. Oktober 2020
Die BürgerInnen verfolgen gespannt die Diskussion im Gemeinderat. Der Gemeinderat ist das oberste Organ der Stadt Wels und besteht aus 36 Mitgliedern. Viele melden sich zu Wort. Der Verein nutzt das Mittel der Bürgerfragestunde.
Vertagung
Der Antrag zum Erhalt des FreiRaumWels wird zur weiteren Diskussion in den Finanz- und Präsidialausschuss verwiesen. In der Zwischenzeit läuft der Mietvertrag des FreiRaumWels aus.
Nachträgliche Wortmeldung
Das Lokalfernsehen WT1 bringt ein Kurzstatement von Gemeinderat Mag. Walter Teubl, der vor der abrupten Zuweisung in den Ausschuss noch am Wort gewesen wäre.
„Unseres Erachtens befindet sich der Bürgermeister im Krieg mit der Zivilgesellschaft. Ich kanns nicht anders sagen. Denn es ist absolut unnötig, hier jetzt eine Veränderung vorzunehmen. Es geht um den vergleichsweise lächerlichen Betrag von 16.500 Euro im Jahr, viele andere Vereine bekommen das genauso als Subvention.“
Medien
In vielen Printmedien und im Lokal-Fernsehen erscheinen seit Beginn der Kampagne informierende Berichte. Der Verein erstellt einen Pressespiegel.
Es gibt eine breite Solidarität seitens Jugendorganisationen, Kirche, Kulturplattform Oberösterreich, NutzerInnen, Zivilgesellschaft und Politik mit dem FreiRaumWels.
Jugend
Welser Jugendorganisationen schließen sich zusammen, um den FreiRaumWels als Ort der Begegnung zu erhalten.
Kultur und Kirche
Die Kulturplattform Oberösterreich und die Katholische Kirche Wels setzen Initiativen zum Erhalt des FreiRaumWels am Standort Altstadt 8.
Es gibt offene Briefe und Presseaussendungen.
Der gemeinsame Nenner: Der FreiRaumWels hat sich am bestehenden Standort sehr gut etabliert und wird genutzt als Ort der Begegnung und Innovation.
Parteien
Die Welser Gemeinderatsparteien ÖVP, SPÖ, GRÜNE und NEOS helfen dem Trägerverein und setzen sich für einen Erhalt des FreiRaumWels in der Altstadt ein. Sie geben Interviews, veröffentlichen Presseaussendungen und bemühen sich um eine Finanzierung.
Zivilgesellschaft
Auf den sozialen Medien solidarisieren sich viele Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen mit dem FreiRaumWels und lancieren die Initiative #freiraumbleibt.
Im FreiRaumWels entsteht die Kampagne „FreiRaumWels erhalten!“. Es finden gruppenverbindende Aktivitäten statt. Neue Bekanntschaften entstehen. Solidarität verbindet. Viele NutzerInnen unterstützen das Anliegen mit Solidaritätswortspenden.
Seit 5. Oktober 2020 gibt es die Möglichkeit, für den Erhalt des FreiRaumWels am Standort Altstadt 8 zu unterschreiben. Bis zur Gemeinderatssitzung am 31. Oktober 2022 haben knapp 1000 Menschen unterschrieben. Es gibt weiterhin die Möglichkeit, zu unterschreiben. Die Unterschriftenliste befindet sich zum Download auf der Vereinswebseite.
Aktivitäten im FreiRaumWels
Seit der Gründung haben knapp 1300 Aktivitäten mit den Prinzipien Selbstorganisation und respektvoller Umgang stattgefunden.
Technik
In offenen Räumen beschäftigen sich die NutzerInnen mit verschiedensten Techniken. Wissen wird zur Verfügung gestellt, Neues erprobt und Potenziale für Innovationen genutzt.
Startups können sich mit dem FreiRaumWels in einem innerstädtischen Raum kostenlos erproben und unkompliziert mit der Bevölkerung in Kontakt treten.
Sprache
Der FreiRaumWels ist ein Ort der Verständigung in der Altstadt von Wels. Viele Philosophie,- Literatur- und Fremdsprachen-Aktivitäten reflektieren kulturelle Grundlagen des Zusammenlebens und sind Ausdruck einer am Gemeinwohl orientierten Kommunikation in der Stadt Wels.
Ehrenamtliches Engagement der BürgerInnen verbindet und bildet Gesellschaft.
Themen Stammtische
Der FreiRaumWels besitzt zwei große und einen kleinen Gewölberaum. Genug Platz, um gleichzeitig verschiedene Aktivitäten zu setzen. Im FreiRaumWels ist man im Herzen der Innenstadt gut aufgehoben und fühlt sich wohl.
Das einladende Ambiente und eine gute Büroausstattung regen an zu fokussiertem Arbeiten.
In der Altstadt 8 treffen sich Frauen-Stammtisch, Welser RadlerInnen, Permakultur-Stammtisch,…Wir!
Diskussion und Weiterbildung
Spannende Diskussionen beleben den städtischen Diskurs. Im FreiRaumWels reicht die Bandbreite von Pressekonferenzen über Buchpräsentationen bis hin zu freien Formaten wie dem RedeRaum, bei dem der Raum zum Reden im Mittelpunkt steht.
Unterschiedlichste Standpunkte werden auf Augenhöhe ausgetauscht.
Lebensmittel
Der FreiRaumWels ist ausgestattet mit einer mobilen Kochinsel und lädt ein zum gemeinsamen Kochen. Ein verantwortungsvoller Umgang mit den Ressourcen unserer Umwelt wird gepflegt und stärkt die Zukunft.
Essen verbindet!
Stärkung der Gesellschaft
Offene Räume bieten die Möglichkeit, selbstorganisiert und unkompliziert auf gesellschaftliche Herausforderungen zu reagieren. Beziehungen entstehen in einladender Atmosphäre und neue Erkenntnisse werden gewonnen.
Der FreiRaumWels ist ein aufschlussreicher Lernort gelebter Demokratie.
Beispiele:
Café für Alle: Migration. Philosophisches Café: Reflexion. Gruppe ZiGe: Zivilgesellschaft, …
Ausdruck
Im FreiRaumWels finden verschiedenste Ausdrucksformen Raum: Von Vokalimprovisation über spirituelle Erkundungen bis zum Theaterspielen mit Jugendlichen.
Nachhaltiges Handwerken
Die Einrichtung des FreiRaumWels entsteht im Zusammenwirken der NutzerInnen.
Die Wiederverwertung und Neuerfindung vorhandener Ressourcen schont die Umwelt.
Wissen wird praktisch angewendet und neuer Sinn entsteht.
Pop-up Jugendtreff "Kernzone"
Im FreiRaumWels betreibt die Diözese das Popup Jugendtreff „Kernzone“. Die Welser Jugend hat einen konsumfreien Raum für Begegnung, Beratung und Entwicklung. Es ist dies das einzige offene Jugendangebot in der Welser Innenstadt.
Verein FreiRaumWels
Der Verein FreiRaumWels kümmert sich seit 2015 mit viel Liebe und ehrenamtlichem Engagement darum, dass möglichst viele Menschen zur aktiven Gestaltung von Gesellschaft ermutigt werden und Ihre Ideen Raum finden. Seither haben über 1170 Aktivitäten stadt gefunden. DANKE an alle Akteurinnen und Akteure!